Jugendladen e.V. - offene Jugendarbeit in Hammelburg
Konzepte für Kinderprogramme

Kimbuktu - von einem eingesperrten Geiste

Unsere Gruselnächte haben immer den selben Aufbau: den Kindern wird eine Geschichte erzählt, die immer genau an dieser Stelle geschah/geschieht, an der die Kinder gerade sitzen. Die Kinder müssen an der Geschichte bereits erkennen, dass sie unweigerlich wahr ist. In dieser Geschichte endet irgend etwas ungünstig. Die Kinder beschließen anschließend, das Geschehene rückgängig zu machen oder etwas zu verhindern. Dann ziehen sie in den Wald. Dort sorgen viele Helfer dafür, dass die Geschichte echt wird. Die dazugehörigen Spielfiguren müssen natürlich auftauchen. Am Ende schaffen es die Kinder. So wird das „Böse“ besiegt und die Angst wird wieder aus den Kindern herausgenommen.

Geschichte des Jahres 1995:

Vor einiger Zeit glaubten die Menschen dieser Erde noch an Geister. Und das mit Recht. Denn Geister hat es schon immer gegeben, wenngleich auch nur wenige Menschen sie jemals sehen konnten. Das liegt nicht etwa daran, dass sie sich gut versteckten, sondern wohl eher daran, dass sie unsichtbar sind. Geister brauchen sich nicht zu verstecken. Aber Geister sind da. Das weiß doch heute schon jedes Kind, obwohl alle Eltern immer sagen: Geister gibt es nicht. Vielleicht machen das die Erwachsenen so, dass ihre Kinder keine Angst haben.

Es ist gerade mal fünfzig Jahre her, da glaubten noch viele Menschen an Geister. An böse Geister. Deshalb haben sich die Menschen verkleidet, wenn zum Beispiel Fastnacht ist, um die kalten Wintergeister zu vertreiben. Manche Leute wurden auch geärgert von anderen Geistern, die Krankheiten ins Haus schleppten und Unglück. Sie hängten sich Knoblauch vor die Haustüren, denn Geister meiden bekanntlich Knoblauch. Noch heute finden wir in vielen Küchen Knoblauch. Und wer es isst, dem können Geister nichts anhaben. Denn Knoblauch riecht man so arg, dass sich kein Geist in der Nähe aufhalten könnte.

Dann irgendwann geschah eine Geschichte, das ist fünfzig Jahre her, worauf die Geister allmählich ausstarben. Aber nicht alle. Es gibt nur noch wenige Geister, ein paar böse und nur noch einen Guten. Die Bösen wissen wir nicht alle vom Namen. Nur der Gute Geist, so steht es geschrieben, nennt sich Kimbuktu. Sein Aufenthaltsort ist nicht richtig bekannt. Wir wissen nur ganz wenig über ihn. Ich möchte euch diese Geschichte erzählen:

Wir schreiben das Jahr 1945. In den letzen zehn Jahren waren die Geister sehr aktiv. Damit meine ich die bösen Geister. Sie waren es, die man verantwortlich machen konnte für alle bösen Taten. Sie führten Krieg (Auch hier in Hammelburg). Sie waren es, die manche Menschen zwangen Waffen in die Hand zu nehmen, andere Menschen umzubringen, so wie man es heute nur noch aus den Krimis im Fernsehen kennt. Sie waren gemein, ganz gemein. Sie freuten sich daran, wenn andere Menschen litten, unter Qualen und Krankheit, unter Seuchen, wenn sie starben, wenn Witwen weinten, wenn Kinder Hunger hatten. Sie freuten sich über jeden Tropfen Blut, der ihrem Hass entsprang. Sie freuten sich, wenn Kinder keine Freunde fanden und wenn sie ihre Eltern verlassen hatten. Sie freuten sich über alles, was wir nicht mögen. Manche Geister hatte böse Gesichter, mit Warzen und Pickeln. Sie waren ungepflegt und unbeliebt. Niemand konnte das zwar wirklich sagen, dass die Geister so hässlich waren, aber alle ahnten es und jeder wusste es eigentlich auch. Wir wissen heute nicht warum. Das ist schon fünfzig Jahre her. Die Geister waren für alles verantwortlich. Sie hatten die ganze Welt in ihren Händen. Sie waren daran schuld, wenn jemand verunglückte, hinfiel, wenn jemand krank wurde oder er seine Brille nicht mehr fand. Sie waren schuld, wenn die Leute wichtige Termine versäumten, wenn ihnen etwas herunter fiel, wenn Eltern über ihre Kinder schimpften, wenn ein Auto kaputt ging, wenn jemand starb. Die Geister waren für alles verantwortlich, was die Menschen nicht mochten und was ihnen weh oder leid tat. Das war schließlich die Aufgabe der Geister, Böses zu tun und sich auch noch darüber zu freuen. Pfui, sage ich da nur. So waren sie. Schon tausend Jahre, aber in den letzten Zehn Jahren waren sie besonders schlimm. Doch nur die bösen Geister.

Sicher. Es gab damals auch gute Geister, welche allerdings immer in der Minderheit waren. Denn habt ihr schon einmal etwas über einen guten Geist gehört. Geister, so sagt man, sind fast immer böse. Gute Geister gibt es nur in den Comics und Kindergeschichten. So sagen die Leute. Aber gute Geister gab es trotzdem schon immer. Sie waren verantwortlich dafür, wenn die Menschen lachten, sich freuten, wenn die Ernte gut war, wenn jemand ein Geschenk bekam oder die Menschen einfach nur gesund waren. Die guten Geister waren noch verantwortlich wenn ein Mensch einem anderen half, dem Bettler etwas spendete oder ihm etwas zu essen machen konnte, wenn ein Mensch dem anderen half, im Unterschlupf gewährte oder in vor bösen Menschen versteckte und noch für vieles andere, worüber sich die Menschen und die Tiere freuten.

Es lässt sich natürlich vorstellen, dass dies den bösen Geistern überhaupt nicht gefiel, wenn ihnen die guten Geister mit guten Taten in den Weg traten und ihre Arbeit behinderten. Schließlich waren ja die bösen Geister erst dann zufrieden, wenn es den Menschen sehr schlecht ging. Ach, was können uns die Menschen leid tun, die damals lebten.

Da sich nun irgendwann die bösen Geister so gehindert durch die guten Geister fühlten, riefen sie einst den Geisterrat zusammen. Der Geisterrat setzte sich aus nur bösen Geistern zusammen, denn Gerechtigkeit kannten die bösen Geister überhaupt nicht. Deshalb durfte kein einziger der guten Geister im Geisterrat sein. Für den siebten Mai des Jahres 1945 hieß es: alle Geister sollten sich treffen. Die Herolde, das sind die Boten der Geister, zogen nun also ins Land und riefen alle Mitglieder zusammen. Und keinen geringeren Ort riefen die Herolde zum Treffen aus, als den Heroldsberg höchstpersönlich.

Ganz oben wollten sie sich treffen um auf das Land hinabsehen zu können. Dort im Wald hielten sie ihr geheimes Treffen. In einigen alten Schriften der Stadt, zu der dieser Heroldsberg gehörte, finden wir vielleicht noch dieses alte Treffen der Geister aufgezeichnet. Diese Stadt, die am Fuße des Heroldsberges liegt heißt Hammelburg. Auf einem alten Blatt Papier in alten Buchstaben steht da, was einst im Walde war geschehen:

7. Mai 1945. Der Himmel hängt voll von bedrückend schwarzen Wolken. Der fahle Mond haucht gespenstisch durch die Wipfel der alten Eichenbäume. Dort auf einer Lichtung, wo keine Bäume standen, dort sollte es geschehen. Die Geister waren berufen zu kommen und sie kamen. Mit aller ihrem Hass, mit ihrer Hässlichkeit, mit allem Schauer, mit Krach und Ekel. Die Tiere des Waldes waren längst geflüchtet, denn welches einem Geist begegnen sollte, es würde jämmerlich dahinsterben; obwohl niemals ein Tier einem Geist etwas getan hatte, hatten die Geister keine Scheu sie zu strafen. Da trafen sie ein, mit einem Sturmen des Windes, mit einem Krach, die Bäume rissen entzwei, kein Busch stand mehr, von wo sie kamen blieb ein Weg, in alle Richtungen, die man heute noch sehen kann. Kein Mensch aber konnte die Geister damals sehen, denn bekanntlich waren sie unsichtbar. Sie trugen unsichtbare Masken, hässlich und verkratzte, borstige Haut, von Wunden übersät in denen sich lustvoll blutige Würmer kringelten. Ihre Zähne waren wie Felsen und was sie bissen splitterte entzwei. Ihre Augen waren wie die Glut eines Feuers, sie glühten. In allen Büschen waren sie zu sehen, die vielen Augen. Nur gut, dass die Tiere schon den Wald verlassen hatten.

Der geheime Rat begann zu tagen. Mitten in der Nacht. Der Mond alleine und die Sterne belauschte sie und der noch, der dies hier heimlich aufschrieb. Sie saßen im Kreis, zwölf an der Zahl, sie saßen, wie die Zahlen der Uhr; für jede Stunde einer. Dort wo die zwölf war, dort saß ihr Meister, der König.

„Ich,“ so sprach der König der Geister, namens Xrokavana, „ich habe es leid, dass uns die guten Geister immer unsere Qualen den Menschen lindern. Wir sollten sie vernichten.“ Wütend stieß Xrokavana seine faule Faust Richtung Mond und rief „Wir wollen sie vernichten“. Der Wald schwieg. Die anderen, restlichen Geister, es waren elf an der Zahl, brüllten Beifall, in solch grausam klingendem Geheule, dass selbst sich die Bäume wegbiegen mochten, um ihr Gespräch nicht zu hören. „Wer“, so sprach die rechte Hand Xrokavanas, „möchte sich den Ausführungen des Meisters“, so nannten sie ihren König, „widersetzen?“ Stille lag da im Wald und die bösen Blicke, die sich die Geister zuwarfen, verrieten, dass sie alle damit einverstanden waren, die armen, guten Geister zu vernichten. „So gehet, zieht dahin und vernichtet mir die guten Geister,“ sprach Xrokavana; und Präkov, ein alter modriger Geist, von fast 400 Jahren alt, hielt sie an und sprach: „Wie sollten wir alle Geister denn vernichten können. Wisst ihr nicht, dass wenn der letzte gute Geist sterben wird, auch wir dahin sterben, denn wie sollte es etwas Böses geben, wenn es kein Gutes gibt. Wenn es keine guten Geister gibt, könnte niemand mehr uns für böse halten, denn nur die guten Geister können uns böse schimpfen. Also lasst uns eine Lösung finden.“ Und er hatte recht, denn wenn es auf dieser Welt keine guten Geister mehr gäbe, wer wollte denn dann sagen, dass sie böse sind. Alles wäre ja von dem Tag an Böse und niemand würde es mehr merken. Da überlegten die Geister. Der Geisterrat tagte noch fast eine Stunde. Dann erhob sich Xrokavana, der Eiter seiner Körpers floss in das Tal und bildete einen Fluss, die Saale und sprach: „Lasst uns alle guten Geister vernichten, nur einen lasset am Leben, daß er uns als böse bezeichnen könnte.“ Und so taten sie. Die Geister wählten Kimbukte, den König der guten Geister als den Auserwählten, der am Leben bleiben sollte und sie brachten alle anderen, guten Geister grausam um. Kimbuktu aber sperrten sie in eine kleine, enge, uralte Kiste, mit einem großen Schloss davor. Xrokavana, der König der bösen Geister brüllte: „Von nun an Kimbuktu, sollen Dir Deine Augen genommen werden, dass Du nicht mehr sehen kannst, wo Du gute Taten vollbringen könntest. Es sollen Dir Deine Hände genommen sein, um nicht mehr helfen zu können. Wir werden Dir den Himmel nehmen, indem wir Dich in eine Kiste sperren und wir werden Dir die Pflanzen nehmen, die Du so liebtest, auf dass Du leiden mögest, bis Dich unschuldige Kinder befreien.“ Xrokavana lachte böse, dass sich die Gräser neigten und fröstelten. Dann stach er Kimbuktu die Augen aus, schnitt ihm die Hände ab, nahm ihm den Himmel und die Pflanzen weg und trug sein böses Lachen in seinem Gesichte, dass noch heute die alten Bäume Angst davor haben. Aus den Dingen, die sie Kimbukte klauten, formten sie vier Schlüssel; diese nannten sie ‘Schlüssel des Augenlichtest’, der ‘Hand der Guten’, ‘Schlüssel des Firmamentes’ und ‘Blumen der Erde’. Alle vier Schlüssel versteckte der Geisterrat auf dem selben Berge, dem Heroldsberg und entfachte in seiner Nähe ein Licht, dass man sie nie verliere und immer bewachen könnte. Am ‘Schlüssel des Augenlichts’ glimmte ein gelbes Licht. An diesem, den sie ‘Hand des Guten’ nennen soll ein rotes Licht scheinen und am ‘Schlüssel des Firmamentes’, wie der Himmel blau ein blaues Licht. Grün leuchte es dort, wo sich der Schlüssel ‘Blumen der Erde’ befindet. Die Kiste bewacht der Geisterrat höchstpersönlich, aber die Geister sind unsichtbar und sie schworen, nie einem Kinde etwas zu leide zu tun. Warum, das weiß keiner.

Da allmählich langweilten sich die ganz normalen bösen Geister, die im Land wohnten, denn sie hatten die guten Geister doch immer geärgert und hatten immer ihre Aufgabe, sich mit ihnen zu streiten. Jetzt waren die guten Geister weg und aus Langeweile starben auch die bösen Geister. Nur der Geisterrat nicht, denn der langweilte sich eigentlich nie. Er hatte seine Aufgabe, eine wichtige Aufgabe. Der Geisterrat bewachte die Kiste, in der Kimbuktu eingeschlossen lebte.

Aber, so hieß es, wenn Kinder Kimbuktu retteten, so wäre er frei und ich sage euch, er würde in seinem Zorne die bösen Geister vernichten. Schon oft versuchten Kinder gegen die bösen Geister, den Geisterrat zu kämpfen, um Kimbuktu zu befreien. Aber noch nie hatte jemand die vier Schlüssel gefunden, mit denen man die Kiste öffnen sollte. Alsbald hatte keiner mehr den Mut die Schlüssel zu suchen, denn offenbar waren sie unauffindbar. Jetzt versprach Kimbukte: „Die Kinder, die mich finden werden, sie sollen belohnt werden mit Dingen, die ein Kinderherz erfreuen, denn wenn ich frei werde, so werde ich die bösen Geister endlich vernichten. Hört mich an Kinder, befreit mich in der Nacht, wenn der Mond helle scheint. Ich werde euch den Weg weisen. Ihr sollt belohnt sein.“

Aber wer weiß schon, wo die Schlüssel liegen und wo die Kiste steht, in der Kimbuktu eingeschlossen ist. Und wer wohl hat genug Mut, den Weg auf dem Berg, dem Heroldsberg zu gehen, auf dem der böse Geisterrat noch immer sein Unwesen treibt, um die Kiste zu bewachen. Wer hätte schon so viel Mut? Wohl keiner, oder?

Weitere Vorgehensweise:

Die Kinder müssen sich jetzt entscheiden durch den Wald zu gehen und die Schlüssel zu finden. Diese sind an verschiedenen Stationen versteckt. Dazwischen gruseln natürlich die Geister. Wenn die Kinder alle Schlüssel gefunden haben, dann müssen sie die Kiste suchen und mit den vier Schlüsseln öffnen. Wir hatten damals die Kiste voll mit Naschzeug und Dankurkunden (mit Namen der Kinder). Außerdem natürlich mit irgend einem Lebenszeichen von Kimbuktu. Dazu hatten wir einen Lautsprecher in der Kiste, der die Stimme des Geistes abspielte.