Jugendladen e.V. - offene Jugendarbeit in Hammelburg
Konzepte für Kinderprogramme

Immanuel und das Orakel

Unsere Gruselnächte haben immer den selben Aufbau: den Kindern wird eine Geschichte erzählt, die immer genau an dieser Stelle geschah/geschieht, an der die Kinder gerade sitzen. Die Kinder müssen an der Geschichte bereits erkennen, dass sie unweigerlich wahr ist. In dieser Geschichte endet irgend etwas ungünstig. Die Kinder beschließen anschließend, das Geschehene rückgängig zu machen oder etwas zu verhindern. Dann ziehen sie in den Wald. Dort sorgen viele Helfer dafür, dass die Geschichte echt wird. Die dazugehörigen Spielfiguren müssen natürlich auftauchen. Am Ende schaffen es die Kinder. So wird das „Böse“ besiegt und die Angst wird wieder aus den Kindern herausgenommen.

Geschichte:

Draußen zogen dicke Wolken über die Dächer der kleinen Stadt. Ab und zu blinkte der düstere Vollmond vom Himmel hernieder und leuchtete durch das Fenster von Immanuel. Immanuel war ein junger und armer Mann. Er lebte im Dachboden eines alten Bauernhauses und konnte sich die Miete kaum leisten. An so manchem Abend saß er hier am Fenster und weinte leise, weil er nicht mehr wußte, wie es weitergehen sollte. Immanuel war eigentlich ein beliebter junger Mann in der Stadt. Er half den Leuten immer wieder, wenn es ihnen nicht gut ging. Er packte mit an, wo er gebraucht wurde. Ab und zu konnte er sich so ein paar Taler verdienen, um wenigstens einigermaßen über die Runden zu kommen.

Ja, Immanuel war ein besonderer Mensch. Er sah das Elend in der Stadt. "Die Menschen sind egoistisch geworden", dachte er sich. Und tatsächlich. Die Menschen wollten immer nur haben. Haben, haben und noch mal haben: Spiele, Nachzeug, Geld, Urlaub, Kleider, Fahrräder. Und je mehr die Menschen bekamen um so mehr wollten sie noch dazu. So kam es, daß die Leute nur noch an sich dachen.. Sie grüßten nicht mehr, sie sahen sich kaum noch gegenseitig an, sie konnten sich nicht mehr aufeinander verlassen.

Nein, in diese Welt paßte Immanuel wirklich nicht. Wenn es nach ihm ginge, dann würde er mehr Wert auf Höflichkeit, Freundlichkeit und Hilfe legen. Er würde lieber in einer Welt leben, in der die Menschen zusammenhalten. Er wollte eine Welt, wo man sich morgens auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit freundlich grüßte und sich einen schönen Tag wünschte. Er wollte eine Welt, in der die Menschen fröhlich waren.

Auf der anderen Seite der Stadt lebte der alte Sir Edward M.. Sir Edward war ein sonderbarer Mensch. Er wohnte zusammen mit seiner Haushälterin in einem riesigen Haus mit vielen Türmen, Fenstern und Gärten. Dort verbrachte er auch die meiste Zeit seines Lebens. Man sah ihn nur selten. Man munkelte, daß er sich mit Magie und Zauberei beschäftigte. Ja, manche Menschen glaubten sogar, daß er mit Dämonen und Geistern in Kontakt stehen würde. In der Tat war Sir Edward ein seltsamer Mensch. Einmal gelang es einem Postjungen einen Blick in einige Räume des großen Hauses zu werfen. Dort hingen gespenstische Spinnweben von der Decke bis zum Boden. Regale standen da Meter hoch mit Tausenden von Büchern vollgestellt. Fackeln und Kerzen schimmerten und warfen düsteres Licht auf die kalten Steinplatten am Boden. Alles war unheimlich. Und auf dem Schreibtisch von Sir Edward hockte neben einem Totenschädel sein pechschwarzer Rabe, der ihn bei der Arbeit zusah. Hatte Sir Edward wirklich etwas mit Magie zu tun?

Die Menschen hatten vor ihm Angst. Auch Immanuel hatte vor ihm Angst. Denn ihr könnt euch vorstellen, daß der alte Sir Edward Immanuel nicht ausstehen konnte. Sir Edward war ein grimmiger Mensch und wenn er etwas haßte, dann waren es junge, freundliche und beliebte Menschen wie Immanuel.

(Ihr seht also: in dieser Geschichte geht es offenbar um zwei völlig verschiedene Menschen, die sich überhaupt nicht ausstehen konnten. Es geht um den armen, aber sehr freundlichen und hilfsbereiten Immanuel und um den bösen Sir Edward, den niemand leiden konnte.) (Wollt ihr wissen, wie die Geschichte weiter geht?)

Immanuel saß also am Fenster seines Zimmer im Dachboden. Draußen war es bereits Nacht und es hingen dunkle Wolken über der Stadt. Ab und zu blitzte der Mond düster zwischen den Wolken hindurch. Auf einem nahen Eichenbaum saß ein Vogel und blickte zu Immanuels erleuchtetem Fenster. Außer einem kleinen Windzug regte sich nichts in der Stadt. Die meisten Menschen schliefen bereits. Nur Immanuel hatte Tränen in den Augen und dachte darüber nach, wie man schaffen könnte, daß die Menschen wieder freundlicher zueinander wären und daß sie sich gegenseitig helfen würden. Und wie er so da saß und dem leichten Windzug im Baum rauschen hörte, da dachte er sich, es hörte sich an wie ein leises Flüstern. Es hörte sich so an, als erzählte der Wind ganz leise zu ihm. Das erinnerte Immanuel an das Flüstern der Orakel, die den Griechen schon vor zweieinhalbtausend Jahren immer wieder Ratschläge gaben.

(Wißt ihr, was ein Orakel ist? Wenn es kein Kind weiß, dann erklären. Das bekannteste Orakel ist das Orakel zu Delphi. Manche von euch kennen auch das Orakel aus der unendlichen Geschichte.)

Ein Orakel. Das wäre vielleicht die Lösung, dachte sich Immanuel. Er holte ein altes Buch von seiner Urgroßmutter unter seinem Bett vor, blies den Staub vom Einband und setzte sich wieder ans Fenster. Und tatsächlich. Da stand etwas über die Orakel. Eines sollte sich sogar ganz in der Nähe von seiner kleinen Stadt befinden. Ein Orakel, das ihm vielleicht die Lösung sagen konnte. Immanuel beschloß, das Orakel zu besuchen. Leise flüsterte Immanuel dem Wind zu: "Ich werde das Orakel befragen, kommst Du mit?". Doch der Wind gab ihm keine Antwort. Der Vogel aber vom nahen Baum schreckte auf und flog im Schein des Mondes davon. Es war ein schwarzer Rabe.

(Wißt ihr noch, wer einen schwarzen Raben besessen hat? Was hat das zu bedeuten?)

Immanuel lehnt sich wieder zurück und laß weiter im Buch. Dort stand: "Das Orakel erscheint nur alle hundert Jahre auf einem Berg. Es kündigt sich jedoch schon lange zuvor an. Wenn auf einem Berg eine versteinerte Frauenfigur im langen Gewand auftaucht und die Leute nicht wissen, woher die Figur stammt, dann bedeutet dies die Ankunft eines Orakels auf dem selben Berg. Ein Orakel spricht immer in leichten Rätseln und man muß es bei Nacht besuchen."

(Wiederholen. Haben die Kinder alles verstanden?)

Das schien ganz einfach. Jetzt mußte Immanuel nur noch herausfinden, wo und wann eine solche Steinfigur gesehen wurde. Am nächsten Tag begab sich Immanuel in die Bücherei seiner kleinen Stadt. Und tatsächlich: In einer Tageszeitung wurde er fündig. Dort stand schon auf der Titelseite: Woher stammt die steinerne Frau? Weiter unten im Text schrieb man davon, daß niemand genau wüßte von wem die Figur ist und wie man sie auf den Berg hätte tragen können. Wissenschaftler rechneten aus, daß die Figur viel zu schwer wäre, um sie auf den Berg zu tragen und dort aufzustellen. Und so endete der Artikel damit, daß das Geheimnis um die Figur noch nicht gelüftet wäre. Und wer Beobachtungen gemacht hätte, der sollte dies melden. "Aha", dachte sich Immanuel, "das muß die Ankündigung des Orakels sein."

Während Immanuel ahnungslos in der Bücherei saß, hatte der Rabe, der Immanuel vom Baum aus belauschte dem alten Sir Edward genau erzählt, was Immanuel vorhatte. Der Alte wußte also von Immanuels Plan, ein Orakel zu fragen, wie man die Welt verändern könnte. Und so schmiedete der alte Sir Edward M. einen gemeinen Plan mit dem er das Treffen zwischen Immanuel und dem Orakel vermiesen konnte. Was hatte er vor?

Sir Edward saß in seinen dunklen Gemächern am Schreibtisch. Eine Kerze, die auf dem Totenschädel stand, leuchtete ihm auf seine Notizen. Auf einen verbleichten Zettel schrieb er seine Ideen. Er wollte vor Immanuel bei dem Orakel sein. Mit Hilfe seiner gemeinen Magie wollte er das Orakel verbannen oder einsperren. Und an ihre Stelle wollte er seine Haushälterin stellen. Als Orakel verkleidet sollte sie dem gutgläubigen Immanuel falsche Auskunft geben. Und statt daß er nun die Welt verändern könnte sollte er für immer und ewig auf dem Berg zwischen unsichtbaren Mauer verbannt werden. Der Alte hatte also doch etwas mit Magie zu tun.

(Einwurf an die Kinder: ganz schön gemein, was? Mal sehen, wie diese Geschichte weiter geht!)

Immanuel hatte davon keine Ahnung. Voller Freude packte er seine Sachen: etwas zu Essen und zu Trinken, ein paar Kleider, Kerzen, Block und Stifte. Es war noch früher Morgen als Immanuel das Haus verließ. Doch sein Weg war weit. So kam er erst am späten Abend am Berg an..

Es dürfte etwa zehn Uhr abends gewesen sein, als Manuel vor dem Wald stand. Der Mond war an diesem Tag noch nicht aufgegangen. Nur ein paar Sterne leuchteten am Himmel. Der Wald war stockdunkel und still. Gelegentlich hörte man das Rascheln eines Tieres im Dickicht. Und da mußte Immanuel jetzt rein. Mitten in die Dunkelheit.

Wie sollte es von hier aus weitergehen? Immanuel hatte nur eine grobe Vorstellung, wie er zum Orakel finden konnte. Das einzige was er wußte war, daß die steinerne Frauenfigur irgendwo am anderen Ende des Berges stand. Von dort schaute sie von einem Felsen ins andere Tal hinab. Und so nahm sich Immanuel vor quer durch den Wald zur geheimnisvollen Figur zu gelangen.

Im Wald lag tiefes Schweigen. Die Zweige einiger Kiefern hingen über den steinigen Weg. Alles wirkte unheimlich. Wenn nur der Mond schon aufgegangen wäre und wenigstens den Weg ein klein wenig anleuchten könnte. Aber alles Hoffen nutzt ihm wenig. Auf einem Ast saß ein pechschwarzer Rabe. Eulen flogen durch den Wald und schrien ihre Schreie aus. Immanuel hatte manchmal den Eindruck, als wollten ihn die Eulen warnen. Aber er wußte nicht wovor. Und so ließ er den Gedanken wieder fallen und taste sich weiter voran. Nach einer langen und auch gruseligen Zeit tauchte etwas Licht auf. Es dürfte der Rand des Waldes sein. War Immanuel an der anderen Seite des Berges angekommen?

Ja, es war soweit. Immanuel konnte den Felsvorsprung sehen. Obwohl er wußte, was er gleich sehen würde lief es ihm eiskalt den Rücken hinunter. Stand dort an der vorderen Kante des Felsens eine Frau oder eine steinerne Frauenfigur? Nichts regte sich. Immanuel erkannte deutlich ihre Umrisse. War das die Figur, von der niemand wußte, woher sie stammt. War das wohl die Figur, von der niemand wußte, welche Bedeutung sie hat. Immanuel sah auf die Figur. Sie drehte sich nicht um. Sie bewegte sich überhaupt nicht. Da sich Immanuel unsicher war und er die Frau nicht erschrecken wollte räusperte er sich. Doch nichts tat sich. Er räusperte sich etwas lauter. Wieder nichts. Nun wagte er einige Schritte nach vorne. Sollte er ihr auf die Schulter tippen? Immanuel streckte seine Hand nach der Frau aus und ganz sachte tippte er auf ihre Schulter. Nichts tat sich. Sie war hart und steinig. Erleichtert blieb Immanuel stehen. Er hatte die Figur gefunden. Er war am Anfang seines Zieles angekommen. Immanuel blickte sich um. Er suchte nach Hinweisen, wie es nun weiter gehen sollte.

Am Geländer entdeckte er einen Brief in einem Umschlag. Im Dunkeln versuchte er den Text zu entziffern: "Für Immanuel" stand dort in altdeutschen Buchstaben. Wie konnte hier mitten in der Nacht und mitten im Wald ein Brief für ihn sein? Und noch dazu, wo niemand wußte, daß Immanuel das Orakel suchte. Doch die Antwort fiel recht leicht. Schließlich suchte Immanuel ein Orakel und ein Orakel weiß die Zukunft. Immanuel war auf der Suche nach ihm. Also wußte es das Orakel.

Im Brief stand die weitere Wegbeschreibung. Doch der Brief endete mit den Worten: "Sieh Dich vor Immanuel. Mehr darf ich Dir nicht sagen, denn alles weitere ist dem Schicksal überlassen." Immanuel ahnte, daß ihm das Orakel mit diesem rätselhaften Satz etwas mitteilen wollte, aber er kam nicht auf die Lösung. Und so packte er seine Sachen, den Brief und all seinen Mut zusammen und zog den Weg wieder zurück in den Wald.

Finster war der Wald. Und zwischenzeitlich auch noch kalt. Aber Immanuel durfte nicht aufgeben. Im blassen Licht versuchte er der Beschreibung zu folgen. Teilweise war es so Dunkel, daß er eine Kerze anbrennen mußte um noch etwas zu erkennen. Wieder brachen die Äste unter seinen Füßen und Eulen umkreisten ihn mit unheimlichen Rufen. Was wollten sie ihm sagen? Und was bedeutete das Rätsel im Brief des Orakels? Immanuel konnte sich keine Antwort geben.

(an die Kinder: könnt ihr euch vorstellen, was dies alles zu bedeuten hatte? Dann auf Sir Edwards Plan eingehen und daß die Eulen und das Rätsel ihn wohl warnen wollten, daß Immanuel dies aber nicht verstand).

Bald stieß Immanuel auf eine kleine Lichtung. Dort schienen die Bäume erleuchtet. Sah so der Platz aus, an dem ein Orakel auf ihn wartete? Immanuel versteckte sich erst hinter einigen Büschen und wollte den Platz erst einmal aus der Ferne erkunden. Sein Herz pochte wie wild. Schließlich steht man nicht alle Tage einem Orakel gegenüber.

Immanuel hatte natürlich nicht die geringste Ahnung, daß dieses Orakel kein echtes Orakel war. Denn hinter den dichten Büschen hatte Sir Edward M. (ein böser Mann) seine Haushälterin als Orakel verkleidet. Und diese Haushälterin sollte Immanuel falsche Antworten geben.

Im guten Glauben an das echte Orakel, das immer die Wahrheit spricht, tastete sich Immanuel weiter nach vorn. Dann blieb er vor Ehrfurcht erstarrt stehen. Sah so ein Orakel aus? Vor ihm stand eine weiß gekleidete Frau. Lange Gewänder zierten ihren Körper, lange Haare lagen auf ihren Schultern. Immanuel stand noch immer wie angewachsen da. Da drehte sich das falsche Orakel um und sprach ihn an: "Willkommen Immanuel. Ich habe Dich bereits erwartet. Psst. Schweige. Du bist gekommen, um eine Antwort darauf zu erhalten, wie man die Welt verbessern könnte. Du bist gekommen, daß sich die Menschen wieder vertragen würden und einander helfen. Ich will Dir die Antwort geben: Nimm das Pulver, das vor Deinen Füßen liegt" Immanuel sah zu seinen Fußen. Dort lag tatsächlich ein kleines Fläschen mit einem Pulver darin. "Schlucke es. Es wird Dir die nötige Kraft verleihen. Es wird Dich zum Helden machen. Noch bevor Du im Tal bist werden Deine Wünsche in Erfüllung gegangen sein und die Menschen freundlich und höflich zueinander sein.

Immanuel bedankte sich und verließ das Orakel. Er machte sich keine Gedanken darüber, daß das Orakel nicht in Rätsel sprach. Immanuel packte das Pulver aus, schüttete es sich auf die hohle Handfläche und saugte es auf. Dann schluckte er es. Plötzlich veränderte sich alles. Immanuel hörte Geräusche, wo vielleicht keine waren. Er hörte das Schlagen von Steinen. Als schlug sie ein Bildhauer aus dem Felsmassiv. Mit einmal klang es, als wenn jemand Steine aufeinander schichtete. Wie zu einer Mauer. Aber Immanuel konnte nichts sehen. Immer mehr Geräusche hörte er. Immer mehr Steine. Und immer weniger sah er. War er verrückt geworden? Was war geschehen? Plötzlich wurde es wieder still.

Immanuel sah sich verängstigt um. Nichts zu sehen. Er versuchte sich nach vorn zu tasten, auf das Licht der Häuser zu, denn dort mußte das Ende des Berges liegen. Dann mußte Immanuel die entsetzlichste Entdeckung seines Lebens machen. Vor ihm befand sich eine unsichtbare Wand. Er konnte sie fühlen. Sie war so groß, daß er sie nicht überwinden konnte. Tagelang versuchte er nun einen Ausgang zu ertasten. Aber er kam nicht hinaus. Wo er auch versuchte den Berg zu verlassen: er stieß immer wieder an die unsichtbare Mauer. Immanuel war gefangen.

(kurze Pause)

Seither erzählt man sich im Dorf von einem jungen Mann, der verwirrt durch den Wald lief. Jeden Sonntag kamen Spaziergänger auf den Berg. Sie konnten die unsichtbare Mauer nicht sehen und nicht fühlen. Für diese gab es keine Mauer. Deshalb glaubten sie auch den Erzählungen von Immanuel nicht. Nur er selbst war darin gefangen. Für immer. So wie es Sir Edward M. geplant hatte.

(kurze Pause)

Angeblich irrt Immanuel noch heute auf dem Berg umher. Wie geht es Immanuel jetzt und was ist mit dem Orakel? Ist es immer noch verbannt?

(Geschichte nochmals reflektieren, dann mit den Kindern überlegen, ob man versuchen sollte Immanuel und das wahre Orakel zu befreien. Die Kinder dann darauf aufmerksam machen, daß eine solche Figur auf diesem Berg hier aufgetaucht ist. Sie steht seit Ostern auf der Kanzel. Evtl. einen Zeitungsartikel mitbringen.)

Ablauf:

Zunächst versucht man in den Wald zu gelangen und gerade durchzukommen. Doch bald stößt man auf zwei Wachen, die den Weg versperren.

Wachen: "Halt! Ihr könnt hier nicht durch. Wir wurden beauftragt keine Spaziergänger hier durch zu lassen. Im Wald soll sich ein Irrer aufhalten. Erst wenn wir ihn gefunden und aus dem Wald gebracht haben wird der Wald für Spaziergänger wieder freigegeben. Also geht zurück ins Tal und spielt irgendwas. Außerdem ist es für euch doch längst Zeit ins Bett zu gehen!"

Die Gruppe läuft dann weiter zu einem freien Platz. Dort überlegen sie wie es weitergehen soll. Dabei sollten die Kinder auf einen Brief (1) von Immanuel stoßen. Dieser verrät ihnen, wie man an den Polizisten vorbei käme. Mit diesen Informationen begibt sich die Gruppe zu den Polizisten zurück und wird durchgelassen.

Wachen nach Codewort zu einander: "Walter, hörst Du, die gehören zum Einsatzkommando." Dann zu den Kindern: "Viel Erfolg. Hoffentlich könnt ihr den Irren fangen, ich hätte längst Feierabend, wenn der nicht da drin rumrennen würde."

Dann führt der Weg zur Kanzel. Dort wartet ein Brief (2) auf die Kids. Er ist von Immanuel und besagt, daß wir auf dem richtigen Weg sind. Außerdem erklärt er, wie wir weiter folgen sollten (Lichtern) und daß wir uns auf die Lauer legen sollten bis der alte Sir Edward vorbei kommt.. Unterwegs treffen wir auf einen alten Mann.

Alter Mann: "Ich weiß warum ihr hier seid. Ihr wollt Immanuel retten und das Orakel befreien. Wenn ich nicht schon so alt und gebrechlich wäre, dann würde ich euch helfen. Aber ich bin alt geworden. Ich kann euch lediglich diese Amulette anbieten. Man nennt sie die >Träne der Orchidee<. Sie werden euch schützen."

Unterweg trifft die Gruppe noch auf eine Elfe.

Elfe: "Erschreckt nicht. Ich bin Eulina, die Elfe die euch weiterhelfen kann. Ich bin gekommen um euch diesen Zweig zu geben. Er ist der Zweig des Lebens. Wenn ihr damit das versteinerte Orakel berührt, dann erwacht es zu neuem Leben. Hier nehmt! Ich muß verschwinden bevor der alte Edward kommt" und schon verschwindet sie im Wald.

Die Gruppe wandert weiter zu einem Platz der durch eine blaue Lampe markiert ist. Dort legt sie sich auf die Lauer und wartet. Dann kommt Sir Edward mit seiner Haushälterin vorbei. Sie erzählen sich, wie man das Orakel wieder befreien könnte.

Sir Edward M. und Haushälterin. Sie: "Das haben sie wieder gut gemacht, Sir Edward" Er: "Was glaubt dieser Trottel auch, daß man durch ein Pulver zum Helden wird. Wer ein Held werden will muß Taten vollbringen." Sie: "Aber wie haben sie es geschafft das Orakel auszuschalten?" er: "Ach, das war ein Kinderspiel. Ein bißchen Magie und schon war das Orakel versteinert. Es steht dort hinten (deutet hin) und wird von meinen Dienern bewacht." Sie: "Und der Zauber ist auch wirklich sicher oder läßt er sich rückgängig machen?" Er: "Ha, der ist sicher, denn nur ich kenne die Lösung. Meine Diener haben unendliche Kraft. Und sie verschwinden nur durch einen Zauberspruch: "Vrigo mera lin". Niemand würde ihn brechen können. Und wenn, dann wäre sie noch immer versteinert.. Haha, niemand wird Zauber brechen. Niemand!" Sie gehen weiter.

Die Gruppe begibt sich zum Orakel. Das Orakel ist von fünf Wachen umstellt. Wenn die Kinder einen Zauberspruch gesagt haben (Vrigo mera lin) dann verschwinden die Wachen. Ein Kind soll dem Orakel den Zweig in die Hand legen. Daraufhin wird das Orakel lebendig und verrät das weitere Vorgehen.

Orakel wartet bis ein Kind den Zweig in ihre Hände legt. Dann erwacht es (sphärische Musik erklingt und läuft noch bis zum Schluß). Das Orakel bewegt sich langsam und läßt sich Zeit beim Erwachen. Es bleibt dennoch ziemlich auf einer Stelle stehen. und atmet erst durch "Hhhhh, das tut gut. Ihr habt mich befreit. Zum Dank will ich euch den Weg weisen. Geht den Pfad zurück auf den alten Weg. Doch Vorsicht, dort steht noch immer Sir Edward (englische Aussprache). Geht den Weg in die Richtung, die Sir Edward nicht verstellt.. Folget dem Schein des Lichtes." Dann wartet das Orakel, bis jemand fragt, was zu tun wäre um die unsichtbare Mauer zu zerstören. Das Orakel antwortet: "Die Mauer ist alt geworden. Sie beginnt zu bröckeln. Doch noch heute Abend will sie der alte Sir Edward mit einem Zauber erneuern. An einem roten Licht findet ihr eine Pergamentrolle mit einem Zauberspruch. Sucht Sir Edwards Zeremonienplatz. Tauscht die Sprüche aus. Dann geht alles in Erfüllung. Mehr darf ich euch nicht sagen. Der Rest ist dem Schicksal überlassen!"

Beim Rückweg keinesfalls in die Richtung gehen, wo Sir Edward noch immer stehen wird.

An einer Roten Lampe einen Zauberspruch mitnehmen. Der Zauberspruch muß mit einem Bleistift noch leicht bearbeitet werden.

Mit dem Zauberspruch zum letzten Platz. Dort hat Sir Edward einige Zauberutensilien herumliegen. Die Kinder müssen dort den Zauberspruch austauschen und sich dann auf die Lauer legen. Sie beobachten dann, wie Sir Edward kommt. (Musik ertönt)

Sir Edward M. bereitet in Ruhe seinen Zauber vor, redet etwas mit sich selbst und darüber, daß er der Größte und Unschlagbare ist (währenddessen tritt Immanuel auf, kommt von hinten, versteckt sich sichtbar für die Kinder und nicht sichtbar für Sir Edward hinten den Bäumen, siehe unten), dann nimmt Edward den Zauber und zaubert. Bis der Ton kommt, der den Zerfall der Mauer charakterisiert.

Dann tritt nur noch Immanuel auf.

Immanuel: "Ich bin frei." Währenddessen ärgert sich Sir Edward zu Tode bis er umfällt. Immanuel: "Ha, er hat sich zu Tode geärgert." Immanuel verbeugt sich mit einer ausgiebigen Geste vor den Kindern. "Ich danke euch. Ich danke euch." Dann ändert sich die Stimmung zum humorvollen. Immanuel dreht sich um geht tanzend und springend nach hinten weg: "Ich bin frei, ich bin frei, jipiee, ich bin frei" usw. bis er weit im Wald verschwunden ist.

Kurze Reflexion. Wir haben es geschafft. Und schon wandert die Gruppe zurück in die Heimat.

Brief (1):

Hoffentlich findet jemand diesen Brief. Seit Jahren sitze ich hinter einer unsichtbaren Mauer gefangen und komme nicht heraus. Verzweiflung macht sich in mir breit. Es ist zum wahnsinnig werden. Wann kommt jemand, der mich hier befreien kann? Ich wollte das Orakel befragen, doch das Orakel scheint verstummt. Und immer wieder jagt mich Sir Edward M. durch den Wald. Wann rettet mich jemand aus meiner Gefangenschaft?

Wenn mir nur jemand glauben würde und wenn nur jemand den Mut hätte das Orakel zu befreien. Ich könnte ihm den Weg zeigen. Es wäre ganz einfach. Man muß nur an den Wachen vorbeikommen. Das ist sogar ein Kinderspiel. Die Wachen haben den Befehl auf ein Codewort zu hören. Wer es vor ihnen ausspricht wird sogleich durchgelassen. Das Codewort lautet: "Operation Delphi II". Dann müßte man nur den Lichtern folgen, die ich jede Nacht aufstelle um den Weg zu weisen. Für alles weitere sorge ich selbst. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß jemand kommt um mich aus meiner Gefangenschaft zu befreien.

Immanuel

Brief (2):

Liebe Kinder, zunächst einmal Danke, daß ihr mir helfen wollt. Ich habe euch schon durch den Wald kommen sehen. Ihr müßt viel Mut haben, sonst hättet ihr diesen Weg nicht auf euch genommen.

Folgt den Lichtern weiter. Sie zeigen euch den Weg zum Orakel. Doch nehmt euch in Acht. Die Erscheinung eines Orakels wird von vielen anderen Wesen begleitet. Sicher habt ihr es schon bemerkt: im Wald wimmelt es von seltsamen Kreaturen, von Guten und von Bösen.

Dort wo ich eine blau leuchtende Lampe aufgestellt habe legt euch auf die Lauer. Das ist der Weg, den Sir Edward M. immer wieder mit seiner Haushälterin geht. Vielleicht könnt ihr ihn belauschen und herausfinden, wie man das Orakel befreien kann.

Sucht dann das Orakel auf um es zu befreien. Das Orakel weiß alles. Es wird euch den weiteren Weg weisen. Dazu ist es da.

Wenn alles gut geht sehen wir uns später.

Euer Immanuel

Zaubersprüche:

Zauberspruch zum BAU einer unsichtbaren Mauer. Man wende den Spruch nur bei dunkler Nacht an. Dann spreche man ihn langsam, aber laut und deutlich und ziehe dabei einen Bogen mit dem Finger. So weiset man dem Spruch den Weg. „STONE WERCE HIN”

Zauberspruch zum ABBAU einer unsichtbaren Mauer. Man wende den Spruch nur bei dunkler Nacht an. Dann spreche man ihn langsam, aber laut und deutlich und ziehe dabei einen Bogen mit dem Finger. So weiset man dem Spruch den Weg. „STONE WERCE WEC”