Jugendladen e.V. - offene Jugendarbeit in Hammelburg
Konzepte für Kinderprogramme

Das Sonnenrad

Unsere Gruselnächte haben immer den selben Aufbau: den Kindern wird eine Geschichte erzählt, die immer genau an dieser Stelle geschah/geschieht, an der die Kinder gerade sitzen. Die Kinder müssen an der Geschichte bereits erkennen, dass sie unweigerlich wahr ist. In dieser Geschichte endet irgend etwas ungünstig. Die Kinder beschließen anschließend, das Geschehene rückgängig zu machen oder etwas zu verhindern. Dann ziehen sie in den Wald. Dort sorgen viele Helfer dafür, dass die Geschichte echt wird. Die dazugehörigen Spielfiguren müssen natürlich auftauchen. Am Ende schaffen es die Kinder. So wird das „Böse“ besiegt und die Angst wird wieder aus den Kindern herausgenommen.

Die Geschichte:
Es war einer dieser frühen Morgen, wo man am liebsten gar nicht erst aufstehen will. Erst klingelt dich der Wecker aus den schönsten Träumen, dann stehst Du auf und willst den Vorhang aufziehen um mal raus zuschauen und aber draußen ist zu allem Überfluss auch noch nerviges Regenwetter. Die Wolken hängen so schwer am Himmel, dass sie schon die Berge streifen und fast schon das die Dächer von Hammelburg berühren. Aus allen Wolken fallen Regentropfen, dicke und fette. Und mit einen lauten Platschen kracht sie auf den Boden.

Das war damals im Jahr 1928 und Jan war gerade mal zwölf Jahre alt. Deshalb fuhren draußen auch fast keine Autos herum, sondern fast nur Pferdekutschen. Jan machte den Vorhang wieder zu. Bei so einem Wetter hätte er wirklich keinen Bock auf Schule gehabt, doch dann fiel ihm ein, dass heute der letzte Tag vor den großen Ferien ist und die Klasse einen Schulausflug auf das nahe gelegene Schloss vor hatte. (Könnt ihr euch vorstellen, auf welches Schloss sie wollten? – Saaleck)

Plötzlich war Jan begeistert, er zog sich an und packte seinen Wanderrucksack, warf sich seinen Regenmantel über und verließ das Haus. Draußen an der Straßenecke warteten schon Lisa und Klaus, die beiden besten Freunde von Jan. Zu dritt eilen sie in die Schule. Gott sei Dank ließ der Regen etwas nach.

Zwei Stunden später konnte man die Klasse von Jan, Lisa und Klaus den steilen Berg zu Schloss Saaleck hoch wandern sehen. (Damals war in dem Schloss noch kein Hotel und keine Gaststätte, sondern da lebte noch der alte Freiherr von Hamulum Castellum). Noch immer zogen dunkle Wolken über ihren Köpfen dahin und der Wind rauschte durch die Bäume, riss manchmal Blätter ab und stieß die dicksten Regentropfen runter auf die Klasse. Um so froher waren alle, als sie endlich oben am Schloss ankamen. Das hölzerne Eingangstor öffnete sich und drinnen begrüßte sie der alte Freiherr von Hamulum. Er war ein freundlicher Herr mit Stock und Hut, der immer einen kleinen Witz für die Kinder parat hatte. „Schaut euch ruhig um“, sagte er zu den Kindern, „von außen schaut das Schloss ganz harmlos aus, aber innen gibt es unzählige Geheimwege und Gewölbekeller, Gänge, Zimmer und Dachböden, dass man sich das gar nicht richtig vorstellen kann. Ich glaube, wir fangen mal mit der Einganshalle an. Kommt herein!“

Das ganze Schloss war wie ein Museum aufgebaut. Es war zwar erst früh morgens, aber trotzdem hatten sich auch schon andere Gäste eingefunden, die sich das Schloss mal von innen anschauen wollten.

In der Eingangshalle standen gleich mehrere alte Ritterrüstungen. An den Wänden hingen Hirschgeweihe und uralte Bilder von Adligen, von Fürsten und Königen. Und während der alte Freiherr von Hamulum der Klasse genau erklärte, welcher König von wann bis wann regierte und wer welche Königin zur Frau nahm, da betrat auch ein Mann im langen Anzug mit Hut den Saal und stellte sich etwas abseits einfach dazu. Er sagte nichts, im Gegenteil, er wirkte eher so, als ob er dem Vortrag des Alten Lauschen wollte. Vom Mantel tropfe etwas Wasser herunter. Offenbar ist auch dieser Mann in den Regen gekommen.

Die Klasse zog weiter. Im nächsten Saal stand ein großer Ofen in der Mitte des Zimmers. Drinnen knisterte das brennende Holz. Es war angenehm warm. Die Kinder durften ihre nasse Kleidung ausziehen und an die Garderobe hängen. Auch andere Gäste hingen ihre Kleider an die Bügel, dass der warme Ofen sie wieder trocknen könnte. Nur der seltsame Mann mit dem Hut ließ seine dunkle Kleidung an und schlich Raum für Raum mit den Kindern. Jan, Lisa und Klaus hatten ihn längst bemerkt und waren neugierig geworden, aber sie kannten den Mann nicht. Oder besser gesagt: sie erkannten den Mann nicht. Sein Hut war so weit ins Gesicht gezogen und seine Kragen so weit hoch gestellt, dass man sein Gesicht überhaupt nicht sehen konnte. Wer war dieser seltsame Typ, der lieber seinen nassen Regenmantel anließ, anstatt ihn an die Garderobe zu hängen um ihn dort zu trocknen.

Die Klasse zog durch die Dachböden mit ihren alten Balken, ging zwischen verstaubten Teppichen hindurch, die dort hingen, vorbei an alten Kisten und Spiegeln, und an Federn von Tauben, die dort offenbar wohnten. Dann verkrochen sie sich auf dem Dachboden im letzten Zimmer. Der alte Freiherr schloss die Türe hinter sich. Zu einem kleinen Dachfensterchen fiel Licht auf den Boden. Nicht viel, denn draußen war der Himmel schwarz. Ungefähr genauso schwarz wie der Anzug von dem seltsamen Mann. Lisa, Klaus und Jan sahen sich an. Der Mann mit dem dunklen Anzug war verschwunden, er war nicht mehr bei ihnen. „War der nicht gerade noch mit auf dem Dachboden?“ fragte Klaus. Lisa nickte. „Sehr seltsam,“ flüsterte Jan.

Der alte Freiherr fuhr mit seinem Vortrag fort. „Hier hoch führe ich normalerweise keine Besucher, denn was euch jetzt zeigen möchte, war bisher noch ganz geheim. Aber schaut euch erst einmal genau um!“ forderte er die Kinder auf. Alle drehten sich um, aber es war nichts besonderes zu bemerken. Der Dachboden wirkt wie ein ganz normaler Dachboden. In der Ecke steht ein Schrank, irgendwo steht eine alte Kiste, da hinten fliegt etwas Gerümpel herum und an der Wand hängt ein Spiegel. Nichts besonderes. „Ihr werdet es nicht glauben“, sagte der alte Freiherr, „aber auf diesem Dachboden beginnen viele Geheimwege durch das Schloss. Früher sollen sich die Königsfamilien immer hier hoch gerettet haben. Dann haben ihre Verfolger gedacht, sie wären auf dem Dachboden in der Falle, aber ganz heimlich konnte die Familie dann flüchten. Zum Beispiel durch diesen Gang.“ Der Alte stand auf, zog an einem kleinen losen Stein in der Wand und ehe sich die Kinder versahen dreht sich der Spiegel auf die Seite. Dahinter tat sich ein schmaler Eingang in der Wand auf. Und ehe sich die Kinder versahen war die Klasse auch schon auf dem Weg durch diesen Gang. Über ein enges Treppenhaus drehte sich eine Treppe mit unzähligen Stufen durch das alte Gemäuer in die Tiefe. Die Klasse schlich hinunter. Allmählich wurden die Steine immer kälter. Aber der Weg schien kein Ende zu nehmen. Klaus tippte Lisa an: „Schau Dir mal die Wände an. Da hören die gemauerten Seine auf und es beginnt der Fels. Das heißt, dass die Treppe ab jetzt unter die Erde führt.“ „Und schau mal hier,“ antwortete Lisa, „da ist auch eine kleine Tür, hierdurch konnte man früher bestimmt nach draußen flüchten. In den Wald.“

Die Treppe führte tatsächlich tief hinunter in den Fels. Unten angekommen konnte man durch einen niedrigen Gang in die eine Halle gelangen.

Die Klasse blieb stehen. Ganz vorne stand der alte Freiherr, ganz hinten standen Jan, Lisa und Klaus. Es wurde seltsam still. Einen Moment lang hatte man den Eindruck, als hörte man aus dem geheimen Treppenhaus leise Schritte. Dann verstummten wieder. Vielleicht war es nur eine Maus.

„Wir befinden uns weit unter der Erde,“ erklärte der alte Freiherr, „über unseren Köpfen befinden sich die Keller und unter unseren Füßen befindet sich nur noch Fels. Ich habe diesen Geheimgang erst im letzten Jahr entdeckt. Und hier, in der Mitte des Zimmers befindet sich ein seltsamer alter Glasschrank.“ Er dreht das Licht etwas heller und tatsächlich glänzte vor den Kindern plötzlich eine Glasvitrine. „Ich fand sie hier unten im Dunkeln?“ erklärte der Alte.

Jetzt wurde die Klasse aber neugierig. In der Mitte der Glasvitrine befand sich eine seltsames, durchsichtig glänzendes Teil. Es schaut fast aus wie ein kleines Steuerrat oder ein Zahnrad aus Diamant oder Glas. „Was ist das?“ fragt die Lehrein nach.

„Ich weiß es nicht genau,“ antwortete der Freiherr. „Hier unter der Glasvitrine fand ich auch ein Buch, das fast wie eine Anleitung geschrieben ist. Es erzählt von diesem seltsamen Ring, den man das Sonnenrad nennt. Angeblich soll das Sonnenrad der Schlüssel zu dem Tor zwischen unserer echten Welt sein und zur Welt unserer Phantasie. Wenn man das Tor öffnet, dann sollen angeblich die Sachen die wir uns vorstellen sich mit unserer richtigen Welt vermischen. Wenn man also am Tor steht und sich Elfen wünscht, dann kommen die Elfen durch dieses Tor in unsere Welt. Die Legende erzählt, dass einstmals ein Mann mit finsteren Gedanken versucht hätte das Sonnenrad an sich zu reisen um damit das Tor zur Welt der Phantasie zu öffnen. Angeblich wollte er versuchen, die Gestalten seiner finsteren Ideen in die wirkliche Welt zu holen. Wenn ihm das gelungen wäre, dann könnte er jede Gestalt und jedes Wesen, das er sich vorstellen kann in unsere Welt holen. Bald hätte er dadurch so viele Diener und so viel Macht, dass er damit die Welt beherrschen kann. Deshalb soll das Sonnenrad hier tief im Gewölbe bleiben. Hier habe ich sogar ein Bild von dem seltsamen finsteren Herrn, den man auch den Katzenmann nennt.“ Daraufhin reichte der alte Freiherr ein Foto herum.

„Was ist aus dem finsteren Herrn geworden?“ fragte die Lehrerin nach, „geht die Geschichte noch weiter?“ „Sie geht schon weiter,“ erklärte der Freiherr von Hamulum, „aber ich habe das Buch nicht fertig gelesen, denn ich glaube nicht an solche Gesichten. Das Sonnenrad ist sicherlich nur irgend ein belangloses Schmuckstück. Mehr nicht.“ Er legte das Bild wieder weg und die Klasse verlies das Zimmer.

Jan, Lisa und Klaus blickten sich an. In ihren Köpfen schmiedeten sie bereits einen heimlichen Plan, wie sie das Buch fertig lesen könnten. Die Geschichte um das Sonnenrad rief geradezu danach, gelüftet zu werden.

„Kannst Du Dich noch an die kleine Tür in dem geheimen Treppenhaus erinnern?“, fragte Lisa. „Ja, sie befand sich genau da, wo die gemauerten Steine aufhörte und der Fels begann“, antwortete Jan und Klaus fügte hinzu, dass die Tür sich dann irgendwo im Wald direkt auf dem Boden befinden müsste. Und ganz heimlich planten die drei heute Nacht diese kleine Tür zu finden und tief in den Fels hinab zu klettern, um das Buch fertig zu lesen.

Der Abend kam schneller als erwartet. Es war schließlich der letzte Schultag. Schon morgen werden die Ferien beginnen. Kaum war die Sonne untergegangen, da trafen sich die drei um ihren geheimen Plan in die Tat umzusetzen. Sie hatten an alles gedacht. Kerze, Feuerzeug, ein Notizblöckchen, Bleistift, Taschenmesser. Alles was man für solch eine Tour braucht. Der Himmel hing immer noch mit schweren Wolken voll. Kein einziges Sternchen war zu sehen, kein Mond und auch kein anderes Licht. Es war stockfinster. Ab und zu klatsche ein Regentropfen zu Boden, wenn der Wind die nassen Bäume rüttelte. Die drei keuchten die nassen Stufen hinauf zu Schloss und näherten sich dann langsam den Mauern. „Irgendwo dahinten in der Wand muss die geheime Treppe verlaufen“ meinte Jan. „Dann muss dort hinter dem dichten Gestrüpp das Türchen versteckt sein,“ ergänzte Klaus. Die drei kämpften sich durch die stacheligen Äste direkt an der Schlossmauer entlang. Jetzt konnte man nichts mehr sehen. Jan wollte mit einem Streichholz Licht machen, aber Lisa klopfte ihm auf die Finger: „Willst Du uns verraten?“

Und tatsächlich: genau in der Ecke des Schlosses befand sich hinter ein paar morschen Zweigen eine alte hölzerne Tür. Sie ließ sich leicht öffnen und so stiegen die drei hinein in das Treppenhaus. Im dunkeln tasteten sie sich weiter hinab in den Fels. Der Stein war feucht geworden von dem vielen Regen. Allmählich wurde es den dreien auch unheimlich da unten. Ob sie umdrehen sollten? „Wir gehen weiter“ forderte Klaus, „wir wollen doch nur ein Buch lesen, mehr nicht. Das ist doch nichts schlimmes.“ Und so schlichen die drei weiter den schmalen Gang vor in die Felsenhalle. Erst jetzt erlaubte Lisa dem Jan sein Feuer zu entfachen.

Da standen sie nun vor der Glasvitrine. Drinnen lag noch das Sonnenrad. Und unter der Vitrine lag das Buch über dieses seltsame Teil. Lisa wollte es gerade nehmen, als sie zurückschreckte. „Psst!“ befahl sie. Von der Treppe hallten Schritte hinunter in zu den Dreien. „Hört ihr das“, frage Lisa nach und Klaus antwortete: „das hört sich genauso an, wie die Schritte, die wir heute früh im Treppenhaus hörten, erinnert ihr euch?“ Jan und Lisa erinnerten sich. Heute Morgen dachten sie noch, dass es sich um eine Maus handeln könnte, aber jetzt waren sie sich sicher, dass sie gleich nicht mehr alleine sein würden. „Los, mache das Lichte aus!“ herrschte Lisa Jan an, „wir verstecken uns hier hinter dem Felsvorsprung.“ Den Dreien zitterte das Herz. Langsam kamen die Schritte näher und allmählich begann man auch den Schein eines flackernden Lichts zu sehen. Wer kam da die Treppe hinunter? Es wird doch nicht der Freiherr von Hamulum sein, der glaubt doch gar nicht an solche Gesichten.

Mit einmal betrat ein Mann mit langem schwarzen Mantel, hohem Kragen und einer dunklem Hut den Raum. Die Drei kannten diesen Herrn bereits. Es war der Mann, der noch am Morgen heimlich der Klasse gefolgt war. Der sich an der Garderobe nicht ausziehen wollte und der auf dem Dachboden plötzlich verschwunden war.

Der Mann ging zu der Glasvitrine und blickte hinein: „Jetzt hat das lange Suchen endlich ein Ende. Habe ich dich gefunden“ flüsterte er und nahm seinen Hut vom Kopf. Jan, Lisa und Klaus erschraken sehr. Es war der Katzmann von dem Foto, das ihnen der Freiherr heute morgen gezeigt hatte. Es war jene finstere Gestalt, die das Tor zur Welt der Fantasie öffnen wollte um so die Wesen, die er sich vorstellte in die richtige Welt zu holen. Es war der Mann, der damit die Weltherrschaft an sich reißen wollte.

Was sollten die drei tun? Sie wussten es nicht. Der Katzenmann blätterte kurz in dem Buch, sah sich eine Seite genau an. Dann schnappe er sich das Sonnenrad und ehe sich die drei versahen verschwand er wieder im Treppenhaus. Lisa sprang zu dem Buch. Dort war eine Landkarte abgebildet. „Kein Zweifel,“ sagte Klaus, „der sucht jetzt das Tor zur Welt der Fantasie. Wenn wir ihn jetzt nicht aufhalten, dann werden wir das nie mehr schaffen!“ Die drei blickten sich nur kurz an und dann waren sie sich einig. Der Katzenmann muss aufgehalten werden. Koste es, was es wolle. Und schon waren die drei im Treppenhaus, um den Katzenmann zu verfolgen?

Die drei hängten sich an seine Fersen, die mutige Lisa voraus. Dicht hinter ihr schlichen Jan und Klaus. Leise tasteten sich die Kinder von Busch zu Busch, dass sie der Katzenmann nicht sehen und hören konnte. Durch den Wolkenhimmel schien der Mond fahl in den Wald. Leicht glitzerte der Weg durch die vielen Tropfen, dann wurde der Wald immer dunkler und unheimlicher. Den Dreien lief es eiskalt den Rücken hinunter.

Zwischenzeitlich waren sie schon so tief im Wald, dass sie sich nicht mehr auskannten. „Es wird Zeit, dass wir den Weg markieren“, meinte Klaus, „sonst finden wir hier nie mehr zurück.“ Er hatte recht. Glücklicherweise hatten die drei Papier und Stifte mit genommen. Mit zittrigen Händen hingen sie Zettel an die Bäume, um den Weg zu markieren.

Zwischen den Wipfeln der Bäume heulte leise der Wind. Doch der Katzenmann wanderte unbeirrt weiter und verließ dann plötzlich den Weg. Er bog ein paar Zweige auseinander und verschwand hinter einigen Bäumen im Dickicht. Der Kinder Herz pochte um einiges schneller. Angst überfiel sie, die man in allen Gliedern spüren konnte. Nun waren sie ihm soweit gefolgt, dass sie nicht mehr aufgeben durften. Vor ihnen lag das vielleicht größte Geheimnis, das sie je lüften würden und die wichtigste Aufgabe, die sie je erfüllen würden. Als die drei durch den Dickicht krochen entflammte bereits etwas abseits Licht. Da tat sich was. Der Alte schien an seinem Ziel angekommen zu sein. Die Falken robbten noch näher heran. Der Schein der Fackeln erleuchtete leicht ihr Gesicht. Unter einem dichten Busch blieben sie dann schweigend liegen und schauten auf die kleine, verborgene Lichtung mitten im Wald. Ihr Puls pochte wie wild.

Dann wurden ihre Augen größer und immer größer.

Auf der kleinen Waldlichtung mitten zwischen morschen Bäumen und borstigen Büschen befand sich ein seltsamer, fast schwebender Kreis, wie ein größeres Rad. Das muss das Tor zur Welt der Fantasie sein. Es war einfach stumm da, wie ein nicht mehr funktionierendes Geräte, wie eine Öffnung ins Nichts. Der Katzenmann wischte Blätter Staub von ihm ab. Er wirkte fast, als hätte er den größten Schatz der Welt gefunden.

Behutsam holte der Katzenmann das Sonnenrad hervor und legte es vorsichtig in eine dafür vorgesehene Halterung. Er drehte es. Plötzlich erhellte der Wald, aus dem Tor trat ein seltsam blaues Licht hervor und spiegelte sich in den Regentropfen an den Bäumen. Seltsame Nebelschwaden zogen fast wie Geistergestalten aus dem Tor hervor. Waren es schon die Wesen, die sich der Katzenmann vorstellte oder war öffnet sich das Tor so immer?

Lisa sah Jan an: „Warum heißt der Katzenmann eigentlich Katzenmann?“

Noch ehe sie die Frage wirklich aussprechen konnten war die Antwort auch schon sicher. Der Katzenmann begann sich zu konzentrieren und allmählich nahmen seine Vorstellungen feste Formen an. Aus dem Tor schlüpften seltsame Wesen, die allesamt Katzenaugen hatte. Das waren glühende Augen, die dich anblickten, dass Du fast zu Tode erschrecken konntest. Die drei verkrochen sich noch tiefer ins Gebüsch.

Bald schlichen unzählige dieser seltsamen Wesen mit den Katzenaugen um den finstren Katzenmann herum. Dann begann er gar fürchterlich zu lachen. Es war aber kein schönes Lachen, sondern es war ein gehässiges, ein böses Lachen. Es war genau so ein Lachen das nur dann erklingt, wenn jemand aus Schadenfreude lacht. „Ich werde das Sonnenrad verstecken müssen, dass niemand mehr das Tor schließen kann“, hörte man den Katzenmann vor sich hinreden. Dann machte er sich auf und davon, um das Sonnenrad zu vergraben. Seine seltsamen Kreaturen folgten ihm. Wie Diener, die nur darauf warteten einen Befehl von ihm zu bekommen.

Es wurde still im Wald. Die drei sahen sich an. „Was sollen wir jetzt tun?“ fragte Lisa „Ihm zu folgen ist viel zu gefährlich.“ Sie blickten zu Boden. Der Wind heulte leicht in den Bäumen und einige Tropfen fielen auf das nasse Laub. „Uns wird nichts anderen übrig bleiben, als unser ganzes Leben lang das Tor in die Welt unserer Fantasie zu bewachen. Wir müssen verhindern, dass sich Menschen etwas herauswünschen.“ Seither sollen die drei nie mehr gesehen worden sein, weil sie noch immer das Tor bewachen. Nur einmal wünschten sie die drei eine Brieftaube aus dem Tor, dass sie einen Brief mit dieser Geschichte ins Tal fliegen kann. Dass irgendwann mal jemand zur Hilfe kommt, um das Tor wieder zu verschließen.

 

Ablauf im Wald:

Mit Kinder in den Wald gehen. Dort treffen wir schon bald auf Jan:

Jan: „Schaut mich an, ich bin ein alter Mann geworden. Seit über siebzig Jahren bewache wir nun schon das Tor. Es wird Zeit, dass wir es schließen, lange werden wir es nicht mehr bewachen können. Geht und findet das Sonnenrad, es ist der Schlüssel mit dem wir das Tor schließen können. Aber nehmt euch vor dem finstren Katzenmann in Acht. Und passt auf eure eigenen Gedanken auf, hier im Wald kann alles, was ihr euch zu sehr vorstellt auch echt werden, dann das Tor ist geöffnet.“

Gruppenführer: „Gibt es eine Möglichkeit sich zu schützen?“

Jan: „Ja, findet den alt gewordenen Klaus, er wird euch weiterhelfen.“

 

Später stossen die Kinder auf Klaus: „Hallo Kinder, Jan hat mir schon erzählt, dass ihr kommen würdet. Ihr wollt euch vor den Kreaturen beschützen können. Folgt mir ...“ Klaus führt die Kinder dann zu einem Ort, an dem ein Topf mit Wasser, sowie Hundehaare und eine Sprühflasche liegen. „Katzen haben doch Angst vor Hunden. Dem Katzenhai seine seltsamen Kreaturen haben die selbe Angst. Ich will euch ein Parfüm brauen, das nach Hunden riecht, dann kommen euch die Katzen nicht zu nahe.“ Er mischt die Haare in das Wasser und schöpft dann davon in eine Sprühflasche. Dann gibt er es den Kindern: „Sprüht euch damit ein!“

 

Wieder eine Zeit später tritt die altbekannte Eulina auf: „Hallo Kinder, ich bin die gute Elfe Eulina. Ihr habt euch sicherlich schon mit dem Hundespray eingesprüht, es schützt euch vor den seltsamen Katzen. Hier habe ein Amulett aus der Welt der Fantasie mitgebracht. Es wird euch vor dem Katzenmann beschützen.“ Amulette an Kinder geben.

 

Die Kinder kommen dann an einen Ort, wo das Sonnenrad liegt. Es wird von den Katzen bewacht, die man deutlich hören und vielleicht auch etwas sehen kann. Als die Kinder kommen, sich vielleicht auch noch mal einsprühen, verschwinden sie fauchend im Gesträuch, aber man nimmt sie noch immer wahr, sie dürfen den Kinder nur keine Bedrohung mehr sein. Die Kinder nehmen das Sonnenrad mit.

 

Tor:

Die Kinder kommen von hinten und Jan empfängt sie bereits: „Habt ihr das Sonnenrad dabei?“

Er lässt es sich geben: „Sehr schön, das Tor muss unbedingt geschlossen werden, bevor damit noch mehr Unfug getrieben wird. – Setzt euch hier unter das Tor, wir haben es schon lange nicht mehr benutzt.“

Dann holt er ein Tuch heraus, um das Sonnenrad zu putzen: „Der Schlüssel muss schön sauber sein.“

Währenddessen beginnt der Film zu laufen (das Tor ist eine Videoprojektion, Material kann bei uns geholt werden). Aus dem Hintergrund im Wald sollen jetzt wieder die Katzen zu hören und die Augen zu sehen sein.

Klaus kommt und sagt etwas abgehetzt zu Jan: „Du musst Dich beeilen, der Katzenmann ist auf dem Weg hierher. Lisa versucht ihn noch aufzuhalten.“ Katzen fauchen.

Wenn das blaue Bild für gute 3 Sekunden lila wird, dann sollte Jan auf das Tor zugehen. Dann blinkt das Sonnenrad im Bild. Jetzt das Rad einsetzen, kurz warten. Das Sonnenrad im Bild blinkt wieder und dreht sich, jetzt das Rad drehen, dann „in Deckung“ gehen. „Duckt euch etwas, das Sonnenrad zeiht alles, was es mal Böses herausgelassen hat wieder hinein.“

Wenn der Film fertig ist: „Wir haben es geschafft, endlich können wir uns zur Ruhe begeben. Komm Klaus, wir gehen zu Lisa, ich habe jetzt Hunger.“

Jetzt darf nicht mehr gegruselt werden.

Kinder verlassen jetzt den Wald. Grusler bauen gemeinsam ab.