Jugendladen e.V. - offene Jugendarbeit in Hammelburg
Konzepte für Kinderprogramme

Der Spielzeugmacher Mörli

Unsere Gruselnächte haben immer den selben Aufbau: den Kindern wird eine Geschichte erzählt, die immer genau an dieser Stelle geschah/geschieht, an der die Kinder gerade sitzen. Die Kinder müssen an der Geschichte bereits erkennen, dass sie unweigerlich wahr ist. In dieser Geschichte endet irgend etwas ungünstig. Die Kinder beschließen anschließend, das Geschehene rückgängig zu machen oder etwas zu verhindern. Dann ziehen sie in den Wald. Dort sorgen viele Helfer dafür, dass die Geschichte echt wird. Die dazugehörigen Spielfiguren müssen natürlich auftauchen. Am Ende schaffen es die Kinder. So wird das „Böse“ besiegt und die Angst wird wieder aus den Kindern herausgenommen.

Einleitung:

Wer von euch war schon einmal mit uns bei einer Gruselnacht? Wenn ihr euch noch daran erinnern könnt, dann wißt ihr vielleicht auch, daß die Gruselnächte in den letzten vier Jahren immer im August waren. Nur dieses mal ist sie im September. Woran liegt das?

Wir versuchen jedes Jahr für euch Geschichten zu finden, die angeblich echt sein sollen. Man muß nur in den alten Stadtchroniken nachschlagen, die verborgen in einem uralten Gewölbekeller von Hammelburg lagern. Für dieses Jahr haben wir nur eine Geschichte entdecken können, die im September wahr werden kann. Und wie ihr wißt, schreiben wir den September des Jahres 1998. Um welches Geheimnis geht es diesmal? Es geht um die tiefen Geheimnisse der Natur.

Geschichte:

Draußen wartete die dunkle Nacht. Es wehte der Wind. Es war ein warmer Wind im September. Das erste Laub der Bäume hatte sich schon bunt gefärbt, manche Blätter waren schon heruntergefallen. Es roch nach dürrem Gras. In einem kleinen alten Haus brannte Licht.

Dort arbeitete der Spielzeugmacher Mörli. Herr Mörli war ein alter, freundlicher Mann mit Falten auf der Stirn und einem kleinen Buckel. Er schnitze aus Holz kleine Puppen, baute Holzeisenbahnen, Pferde, Marionetten und die Kinder liebten sein Spielzeug. Die Kinder besuchten ihn fast jeden Tag und da Herr Mörli ein netter Mann war, machte er den Kindern manchmal ein kleines Geschenk. Da waren sie glücklich.

Mörli wußte, was Kinder glücklich macht. Ja, er wußte es sogar sehr genau. Er wußte es deshalb so genau, weil er ein kleines Geheimnis hatte. Das Geheimnis der großen Maschine. Was war das für eine Maschine? Es war die Maschine, die den Kinder ihre Wünsche und Träume machte. Jeden abend und jeden Morgen lief Herr Mörli zu dieser Maschine und füllte sie mit schönen Dingen, die er von den sonderbaren Wesen der guten Magie bekommen hatte. Viele solcher Wesen kannte Mörli. Und tat er die Blumen der Elfen hinein, träumten die Kinder von Blumen, setze er Federn des Phönix mit hinein, so liebten die Kinder die Vögel, tat er Spielzeug hinein, so liebten die Kinder das Spielen. Herr Mörli machte seine Arbeit gut. Und jeden Abend und jeden Morgen füllte er die Maschine mit den schönen, magischen Dingen, daß die Kinder schöne Träume und Wünsche hatten.

Aber Herr Mörli hatte es nicht leicht. Er hatte einen Gegner, einen bösen Gegner. Edgar Schabonn hieß er und wohnte am anderen Ende des Tales in einer schrecklichen, schwarzen Villa. Überall brannten Fackeln und betropften den kalten Boden mit Wachs. Die Spinnweben hingen wie Schleier von der Decke. In einem hohen Raum mit Gewölbedecke hatte Herr Schabonn seine Werkstatt. Er war auch Spielzeugmacher. Aber er machte sein Spielzeug nicht zum Verschenken, nicht um den Kindern eine Freude zu machen, nicht um die Mädchen und Buben lachen zu sehen. Nein, es ging ihm nur um eines, um Geld. Geld, Geld und nochmals Geld. Herr Schabonn baute keine Puppen und keine Pferde, keine Eisenbahnen und keine Marionetten. Nein, Herr Schabonn baute ganz andere Dinge.

Herr Schabonn war ein gemeiner und gieriger Mann, viele Leute hatten Angst vor ihm. Man erzählte sich im nahen Dorf, daß er mit der schwarzen Magie, der bösen Zauberei zu tun hatte. Manche Leute munkelten sogar, er träfe sich hin und wieder mit Dämonen und anderen seltsamen Kreaturen. Er hatte böse blitzende Augen. Und wenn er etwas haßte, dann war es das Lachen der Kinder. Er haßte die Freundlichkeit, er haßte die Höflichkeit, er haßte das Schöne, die Liebe, die Blumen. Und er hatte es satt, daß der brave Herr Mörli die Kinder mit seinem Spielzeug glücklich machte. Dagegen wollte er etwas unternehmen. Und er wußte auch schon was.

Er packte seinen weiten Mantel, zog ihn über, setze seinen Hut auf und begab sich zur Tür. Herr Schabonn, Edgar Schabonn, machte sich zielstrebig auf. Eine Eule stieß ihren Schrei aus. Der Mond schien fahl auf den steinigen Weg. Aber Herr Schabonn kannte sein Ziel.

Herr Schabonn wußte etwas, was sonst nur noch Herr Mörli wußte. Er kannte die geheimnisvolle Maschine, welche die Träume und Wünsche der Kinder machte. Er kannte die Traummaschine, die Herr Mörli jeden Morgen und jeden Abend mit schönen Dingen füllte. Und er wußte genau, wo sie verborgen stand. Was hatte er damit vor?

Als Herr Schabonn die Maschine erreichte, schenkte sie den Kindern gerade schöne Träume. Es war schließlich Nacht und die Kinder sollten schöne Dinge träumen.

Herr Schabonn war wütend, wenn er ausatmete klang es wie das Schnauben der Pferde, in seinen Augen blitzte kalter Haß. Herr Schabonn näherte sich der Maschine und blickte hinein. Herr Mörli hatte sie mit schönen Dingen gefüllt: mit Federn, Blumen, Muscheln und mit Holzspielzeug. Ja, Herr Mörli wußte, was den Kindern gefiel. Sie sollten von der Schönheit der Natur träumen. Sie sollten die Vögel im Baume singen hören, das Rauschen des Meeres und friedlich mit lustigem Spielzeug spielen.

Der grimmige Herr Schabonn blickte noch immer in die Maschine und in seinen Augen blitzte kalter Haß. Niemals wollte er, daß die Kinder von Schönen Dingen träumten, daß sie glücklich wären und daß sie lachten. „Jetzt wäre die Stunde gekommen“, so dachte er, „ab heute werden die Kinder andere Dinge lieben! Sie werden Angst haben, sie werden streiten, sie werden Gewalt lieben!“

Edgar Schabonn legte seinen Mantel ab und öffnete die Maschine. Was nur wird er mit den Schönen Dingen tun? Er wußte genau, was er damit machen würde. Er griff sich die Federn, die Blumen, die Muscheln und das Spielzeug und warf es in die Höhe. Ja, Herr Schabonn hatte es mit der schwarzen Magie zu tun. „Kontrawäää compurg“ schrie er seinen Zauberspruch, wie Donner grollten seine Worte, Blitze zuckten vom Himmel, dann waren die Schönen Dinge in alle Himmelsrichtungen verbannt.

(Licht der Lampe anmachen, um dem Schabonn-Spieler ein Zeichen zu geben)

Aber das war noch nicht alles. Auch dem guten Mörli wollte Schabonn zu Leibe rücken.

(Gespielte Szene von Schabonn): „Und jetzt bist Du dran, Mörli!“ schrie Schabonn, „für immer sollst Du verdammt sein, für immer! Ohne meine Zaubersprüche wirst Du nie mehr das Licht dieser Welt erblicken können! Hahahaha“

Grelles Licht umgab ihn, die leidenden Schreie des guten Mörli dazwischen, dann kehrte Stille ein.

Dann packte Edgar Schabonn die häßlichen Dinge aus: Monster, Soldaten und Waffen. Damit befüllte er die Traummaschine. Ab heute sollen die Kinder nur noch von seinen Dingen träumen, von seinem Spielzeug. Denn Herr Schabonn stellte solches häßliches Spielzeug her. Monster, Soldaten, Waffen aus Plastik. Computerspiele, bei denen die Kinder auf Menschen schießen sollten, wo Blut floß und wo der gemeinste der Gewinner werden konnte.

Die Nacht schien stumm. Leise säuselten die Blätter, dann schlug die Uhr des Rathauses zwölf. Mitternacht. Und der Mond stand schweigend am Himmel. Nur in den Betten wälzten sich die Kinder hin und her, weil sie schlechte Träume hatten. Am Tage stritten sie, kämpften und schrien. Sie liebten Waffen und häßliche Spiele. Und ihr wißt selbst: wenn die Kinder heute Geburtstag haben, dann wünschen sich viele ganz häßliches Plastikspielzeug, Monster, Roboter mit Waffen, Düsenjäger.

(Geschichte wiederholen und kurz darüber reden!)

Wenn ihr wissen wollt, wie die Geschichte weiterging, dann kann ich sie noch ein bißchen weiter erzählen: Herr Mörli war ja verschwunden, das wißt ihr noch. Die Kinder vom Dorf haben ihn aber nicht vermißt. Weil sie jetzt andere Interessen und Wünsche hatten, besuchten sie ihn nicht mehr. Sie wollten keine Geschenke mehr von einem alten buckligen Mann. Nein, die Kinder waren beschäftigt mit ihren Kriegsspielen und mit ihrem Streit. Sie dachten sich gemeine Sachen aus und liebten ab jetzt Computerspiele. So waren die schönen Dinge und die schöne Natur, das Singen der Vögel und das Rauschen des Wassers, der Duft der Blumen bald vergessen. So kam es, daß keines der Kinder merkte, daß der alte Mörli schon lange nicht mehr in seinem Haus wohnte und Spielzeug schnitzte.

Kein Mensch kannte die Traummaschine, keiner. Doch als man eines Tages in Mörlis Haus herumstäberte, da fand man das Tagebuch des alten Herrn Mörli und brachte es in die Archive der Stadt Hammelburg. Und da haben wir diese Geschichte her. Und wir wissen, daß diese Maschine auf diesem Berg steht und daß die Schönen Dinge hier irgendwo verstreut liegen müssen. Vielleicht gibt es ja auch noch die magischen schönen Wesen, von denen der alte Mörli die Federn, Blumen und Muscheln hatte.

Und wir ahnen, daß der alte Schabonn seither mit seinen Gefährten, den bösen Dämonen und Kreaturen, die Maschine bewachen wird. Niemals soll sie ein Mensch finden können, niemals. Wer hätte auch schon den Mut dazu, dieses Geheimnis endlich zu lüften ...

(Über Geschichte reden und vereinbaren, den guten Mörli und die Schönen Dinge zu retten.)

Im Wald:

Im Wald treffen die Kinder auf einige Figuren, die ihnen weiterhelfen können. Ihre Texte folgen nun:

Schabonn:

Nachdem beim Vorlesen die Öllampe entzündet wird, kommt noch genau ein Satz: „Aber das war noch nicht alles. Auch dem guten Mörli wollte Schabonn zu Leibe rücken.“ Danach spielst Du mit wütender Stimme folgenden Satz:

„Und jetzt bist Du dran, Mörli! Für immer sollst Du verdammt sein, für immer! Ohne meine Zaubersprüche wirst Du nie mehr das Licht dieser Welt erblicken können! Hahahaha“

Dabei stellen Dich andere in ein kruzes helles Licht oder wenn nicht vorhanden in ein langanhaltend schwaches Licht mit kurzem Blitz (z.B. von Foto) zum Ende des Satzes.

Blume:

Wenn die Kinder ankommen und die Betreuer die Kinder ruhig gebracht haben, dann kannst Du diesen Satz deutlich hörbar, aber mit sanfter Elfenstimme sagen:

„Wer seid ihr? Ihr sucht bestimmt die magischen Dinge des alten Mörli. Ja ja, er ist lange nicht hier gewesen. Hier, nehmt die delphischen Blumen, der alte Mörli holt sie sowieso nicht mehr ab!“

Dann gibtst Du die Blumen einem der Kinder und verschwindest, ohne auf irgend etwas zu antworten im Wald, so daß Dich die Kinder nicht mehr sehen können.

Vogel:

Wenn die Kinder ankommen und die Betreuer die Kinder ruhig gebracht haben, dann kannst Du diesen Satz deutlich hörbar, aber mit rauher Vogelstimme (wie ein Pagagei) sagen:

„Sieh an, so viele Besucher hatten wir lange nicht mehr. Habt ihr den alten Mörli gesehen, er kam schon lange nicht mehr vorbei. Wenn ihr ihn findet, dann gebt ihm doch bitte diese Federn. Er wird sie brauchen.“

Dann gibtst Du die Ferdern einem der Kinder und verschwindest, ohne auf irgend etwas zu antworten im Wald, so daß Dich die Kinder nicht mehr sehen können.

Elfe mit den Muscheln:

Wenn ihr die Kinder ankommen seht, dann könnt ihr schon leicht abseits des Weges (ca 10-15 Meter) anfangen, den folgenden Spruch wie ein Gedicht mehrmals aufzusagen. Dabei könnt ihr wie im Tanz elfenhaft durch die Wiesen schweifen. Wenn die Kinder euch eine Zeit lang zugeschaut haben, dann solltet ihr scheu mit einen leichten „Huch“ oder „Ach“ (leise!), jedenfalls etwas erschrocken in den Wald flüchten. Dabei laßt ihr an einer der Kerzen die Muscheln (in einem Gefäß) liegen.

Text:
„Wir singen und tanzen und tanzen und singen,
und heben ganz leise die goldenen Schwingen
und tanzen und singen und schwingen hinfort
und meiden im Reigen den menschlichen Ort.“

Am Ende stoßen die Kinder auf die Traummaschine. Dort wartet dann auch schon der Spielzeugmacher Mörli, der die Muscheln, etc. annimmt und in die Traummaschine füllt. Dann bedankt er sich bei den Kindern, erklärt, dass wieder alles in Ordnung wäre. Man muß sich noch was Blödes einfallen lassen, warum der Schabonn jetzt weg ist. Vielleicht einen Zauberspruch oder so was, denn wie wir das damals gelöst haben weiß ich heute auch nicht mehr.