Jugendladen e.V. - offene Jugendarbeit in Hammelburg
Konzepte für Kinderprogramme

König Arthur im Lande Ulana

Unsere Gruselnächte haben immer den selben Aufbau: den Kindern wird eine Geschichte erzählt, die immer genau an dieser Stelle geschah/geschieht, an der die Kinder gerade sitzen. Die Kinder müssen an der Geschichte bereits erkennen, dass sie unweigerlich wahr ist. In dieser Geschichte endet irgend etwas ungünstig. Die Kinder beschließen anschließend, das Geschehene rückgängig zu machen oder etwas zu verhindern. Dann ziehen sie in den Wald. Dort sorgen viele Helfer dafür, dass die Geschichte echt wird. Die dazugehörigen Spielfiguren müssen natürlich auftauchen. Am Ende schaffen es die Kinder. So wird das „Böse“ besiegt und die Angst wird wieder aus den Kindern herausgenommen.

Geschichte:

Es war einmal eine Zeit, in der es noch Königreiche, Prinzen und Prinzessinnen gab. Eine Zeit in der Elfen inmitten von Schmetterlingen über die Wiesen tanzten und in den Wälder Drachen oder Dämonen hausten. Und manchmal gab es dort auch grausige Monster.

Im Lande Ulana lebte einst König Arthur auf einem prunkvoll verzierten Schloß mit vielen Türmen. Die Fenster waren hoch und die Geländer windeten sich goldfarben an den breiten Treppen entlang. In den großen Räumen glänzte der Marmorboden und spiegelte das Licht von hunderten Kristalllampen. Dem König ging es gut und dem Volk auch, denn König Arthur war ein guter König.

Dennoch war Ulana ein sehr kleines Land. Es war so klein, dass jeder jeden kannte. Rings um das Königshaus siedelten einige Bauern, die Bäcker und Metzger. Unten am Fluss lebten die Fischer und im Dorf die Kutscher, die Tischler und Zimmermänner, der Schmied und einige andere Handwerker. Tagsüber gingen sie ihrer Arbeit nach und abends trafen sie sich im Hause des Königs um gemeinsam zu Speisen. König Arthur war beliebt, die Leute besuchten ihn gerne, brachten Geschenke mit und feierten gemeinsam mit ihm. Abends knisterte das Feuer im großen Ofen und das Volk erzählte sich bei Kerzenschein Geschichten, echte und erfundene, spannende und lustige und traurige. Und alle hörte sie zu.

Alle, bis auf einen. Weit draußen in den Wäldern lebte der Einsiedler Emau in seiner Hütte. Er war ein alter, ein sehr alter, weißer Mann, der sich mit den Elfen und Waldgeistern angefreundet hatte. Die Leute erzählten sich, dass er schon über tausend Jahre alt sei und viel Erfahrung haben soll. Als vor einigen Jahren König Arthur seine Wälder besichtigen war, ist der alte Einsiedler Emau zu einem guten Freund von König Arthur geworden. Doch sein Weg zum Schloss ist sehr weit und so kann der alte Einsiedler nicht allabendlich zum Essen im Schloss kommen. – –

Es war bereits Anfang Herbst. Die Getreidefelder waren gemäht und das Korn gedroschen. Die Kartoffeln vom Feld, das Gemüse aus den Gärten und das Obst von den Bäumen waren geerntet und in die königlichen Lagerhallen gebracht. Die Bauern hatten ihre Arbeit gut gemacht und eine große Ernte eingefahren. Die Ernte war gut und man sah dem Winter zufrieden entgegen. Die Bauern waren müde von der Arbeit und legten sich schlafen.

Nur König Arthur stand an seinem Fenster und sah hinaus in die düstere Nacht. Er machte sich große Sorgen, denn eine finstere Macht bedrohte Ulana. Draußen in den Höhlen der dunklen Wälder hauste der böse Hexenmeister Medor und sein Gormit. Gormit war ein unsichtbarer Dämon, der sich wie ein kalter Windhauch anfühlte, wenn er an einem vorbei ging oder mit seinem unsichtbaren Gesicht direkt in die Augen sah. Tag für Tag schickte der Hexenmeister Gormit durch die kleine Stadt zum Schloss. Und während die Bauern stille schliefen klaute Gormit die Wintervorräte aus den Hallen. Schon bald würde das Getreide ausgehen und das Volk hungern müssen. Der König wusste es, aber er konnte nichts gegen die Machenschaften des Hexenmeisters Medor tun. Zu mächtig war seine Dämonen und zu grausam ihre Strafen, wenn sich der König zur Wehr setzen wollte. Und so machte sich Arthur große Sorgen, den der Winter stand vor der Tür. Er war beliebt bei seinem Volk und die Menschen lebten bisher glücklich uns zufrieden. Und so traute sich Arthur nicht ihnen die schreckliche Wahrheit über die Vorräte und den kalten Gormit zu erzählen.

Die Nacht war dunkel geworden und der Mond schien fahl durch die Zimmerfenster und glänzte in den kristallenen Verzierungen an den Wänden. Die großen Leuchter waren, nur in einem Kerzenständer brannte eine kleine Kerze und erleuchtete den Schreibtisch. Dort saß König Arthur und versuchte einen Plan zu schmieden. Ein kalter Windhauch zog durchs Zimmer. Ahnungsvoll sah sich der König um. Er lauschte, aber die Tür zur Vorratskammer bewegte sich nicht. Erleichtert machte sich Arthur wieder an seine Arbeit und überlegte, wie er den bösen Hexenmeister und seinen Gormit besiegen könnte. Arthur erinnerte sich an ein altes verstaubtes Buch aus der Bücherei, in dem er über einen mächtigen und guten Zauberer gehört hatte. Und genau dieser Zauberer könnte Arthur helfen, um den Hexenmeister zu besiegen. Arthur ging in seine Schlossbücherei. Er war lange nicht hier. Kühler Wind wehte durch die Fenster und brachte die alten Spinnweben zum Wackeln. Staub wirbelte auf und die alten Holzregale begannen zu knarren. Arthur schritt die hohen Regale ab und suchte nach dem alten Buch über den Zauberer und tatsächlich, im elften Regal stand weit oben das dicke Buch und mit dem dunkelbraunen Einband und dem magischen Zeichen in der Ecke. Arthur griff es und blies den Staub von den Seiten. Ja, da stand es. Dort, wo im Lande Seelana der Fluss Seela das Land in zwei Hälften teilt lebt auf einem Berg der weiße Zauberer Imiidor. So mächtig, dass in die dunkelsten Dämonen fürchten, und so gutmütig, dass die Armen ihn um Hilfe bitten.

König Arthur beschloss den Zauberer Imiidor aufzusuchen und ihn um Hilfe zu bitten. Der Weg wäre weit und Arthur kannte ihn nicht. So plante er, seinen alten Freund, den Einsiedler Emau um Rat zu fragen. König Arthur wollte keine Zeit verlieren. Er schwang sich seinen Mantel über und machte sich auf den Weg tief in die Wälder Ulanas hinein. Der Mond schien fahl, ein Wind wehte leichte und schob immer wieder kleine Wolken vor den Mond. Schatten huschten über die Wiesen und Felder, die Bauern schliefen fest.

Weit draußen stieg Rauch aus dem Schornstein einer alten Hütte. Dort lebte Emau. König Arthur klopfte an die Tür. Tack, tack. Nichts tat sich. Arthur klopfte wieder und wieder. Es dauerte einige Minuten, dann öffnete sich die Tür. Es war Emau. Er war alt geworden und genau so sah er auch aus. Drinnen glänzte Licht, auf dem Esstisch war für zwei Personen gedeckt. Tee kochte bereits in einem Kessel über dem Feuer.

„Komm rein, Arthur“, sagte Emau, „ich erwarte Dich bereits, ich war vom Warten nur kurz eingeschlafen.“

„Du erwartest mich bereits“, entgegnete König Arthur fragend, „woher wusstest Du, dass ich Dich besuchen komme?“

„Die Elfen haben es mir berichtet, sie sahen Dich grübelnd am Schreibtisch sitzen.“

Emau wusste alles, er kannte die Sorgen von Arthur, er wusste um die Bauern und die gute Ernte und er wusste vom Hexenmeister und seinem Gormit. Und Arthur berichtete dem Einsiedler vom mächtigen Zauberer Isiidor, doch Emau kannte ihn bereits. Und so schmiedeten beide in der späten Nacht einen gemeinsamen Plan. Auf alten Landkarten zeichneten sie den Weg zu Isiidor ein.

„Ich würde Dir gerne beistehen“, sagte Emau, „aber ich bin zu alt geworden für den steinigen Weg. Ich kann Dich nicht mehr begleiten, Du musst ohne mich ziehen.“

Das Feuer brannte und die Fenster waren verschlossen. Doch im Zimmer wurde es kühl. Unbemerkt schlich sich durch den Schornstein ein kalter Windhauch, windete sich um die Gegenstände im Raum und wanderte im Zimmer lauschend auf und ab. Der Tee wurde eiskalt. Es war Gormit, der die beiden belauschte und ihre Zeichnungen unbemerkt ansah. Dann verschwand er wieder in der Stille der stummen Nacht.

Und während es immer Zimmer langsam wieder wärmer wurde rief Emau durch die sternklare Nacht hinaus zu den Elfen. Schon bald kam die Schmetterlingselfe Mirella zum Fenster hereingeflogen und flatterte durch den Raum. Sie glänzte weiß im warmen Licht und ihre Flügel schimmerten wie schöne Diamanten.

„Mirella, mein kleiner Schmetterling“, bat Emau, „begleite König Arthur hinaus ins Lande Seelana und sucht dort den mächtigen Zauberer Isiidor auf, um ihn von unserer Not zu berichten. Er ist mächtig genug, um uns vor dem Hexenmeister zu befreien.“

Und so machte sich König Arthur ein zweites mal auf den Weg durch die dunkle Nacht, begleitet von der Schmetterlingselfe Mirella. Währenddessen berichtete Gormit seinem Herrn, den Hexenmeister Medor, was er erfahren hatte. Und während er nervös wie ein kalter Windhauch durch das Zimmer huschte erzählte er von König Arthur und dem Einsiedler Emau, von dem Zauberer Isiidor und dem Plan ihn um Hilfe zu bitten. Wut strömte in die Augen des Hexenmeisters Medor, denn er wusste, dass er gegen Isiidor nichts ausrichten könnte. Und so beschloss er König Arthur und der Elfe Mirella aufzulauern und sie zu Stein zu verwandeln. – –

Die Nacht war noch später geworden, der Mond verfinsterte sich, bald würde es finster sein, dass man nichts mehr sehen könnte. Die Bäume knarrten und ihre Zweige rauschten im Wind. Es klang wie tausend flüsternde Stimmen, die man nur nicht verstehen konnte. Wollten sie den beiden etwas sagen oder war es doch nur ein Rauschen der Bäume? Sie wussten es nicht. Der Weg war steinig und uneben geworden. Mit jedem Schritt zerbrachen die Zweige am Boden, dass es einem unheimlich werden konnte. Doch König Arthur und die Elfe Mirella gaben nicht auf. Sie kämpften sich durch Schluchten und über Berge und der Weg wurde immer unheimlicher. Sträucher streiften die beiden und es fühlte sich an, als wollten unzählige Hände nach ihnen fassen. Eine Eule rief einen Schrei aus, erhob sich vom Ast und umkreiste die beiden, als wollte sie König Arthur warnen. Doch es war bereits zu spät.

Ein Schatten folgte ihnen durch die finstere Nacht. Finster genug um ihnen den Weg zu verdunkeln und kalt genug, um ihnen die Kräfte zu rauben. Es war Medor, der ihnen auf den Fersen war. Er grollte wie das Donnern eines schweren Gewitters, wenn er seine Arme nach ihnen ausstreckte und es fröstelte wenn er seine Stimme gegen sie erhob. Mächtig wie ein Turm baute er sich vor ihnen auf, warf seinen Schattenmantel durch die Luft und stürzte den Wald in Finsternis, seine Augen brannten wie Feuer. Verängstigt blieb König Arthur und stehen und sah ihn machtlos an. Hinter ihm versuchte sich die Schmetterlingselfe Mirella zu verstecken, doch es hatte keinen Sinn. Gormit umschlich die beiden wie ein Drache und sein kalter Atem ließ es den ihnen wie kalter Schauer über den Rücken laufen. Sturm brodelte und brach die Wurzeln der Bäume, riss Baum um Baum zu Boden.

Medor fixierte Arthur mit seinen Blicken und deutete mit seinen knochigen Zeigefinger auf Arthur. „Niemand“ kochte seine Stimme, „niemand hält mich, den Hexenmeister Medor, auf. Niemand!“ Und wie mit Feuerzungen erfasste es Arthur, er sackte zurück und versteinerte vor seinen Augen. Mirella aber verwandelte Medor zu einem kleinen silbernen Elfenamulett. Leblos fiel es zu Boden. Dann trat Stille ein

Der König und die Elfe kehrten nie mehr zurück. Dem alten Einsiedler Emau aber berichteten die Waldgeister von dem was vorgefallen war. Seither soll er auf der Suche nach König Arthur und der versilberten Mirella sein. Eine lange Zeit noch soll man sich diese Gesichte in Ulana erzählt haben, doch nach und nach ging sie verloren und niemand dachte mehr an Mirella und an König Arthur.

(Fast tausend Jahre vergingen bis plötzlich das Steinbildnis von König Arthur auf einem Berge erschien. Niemand wusste wo es her kam, doch dann kam Licht in das Geheimnis der alten Geschichte. Ein Brief und eine Karte erreichten den Bürgermeister von Hammelburg. Und da viel uns etwas sonderbares auf.)

(Karte zeigen, die Hammelburg und die Seelana zeigen, so ähnlich, dass man erkennen kann, dass es sich dabei um die selben Länder dreht).

(Der König Arthur muss also hier in Hammelburg versteinert worden sein. Wir könnten ihn suchen und versuchen, ihm zu helfen).

Ablauf im Wald.

Im Wald stoßen die Kinder zuerst auf Emau der berichtet:

„Haltet ein Kinder! Auf welcher Seite steht ihr, gehört ihr zumHexenmeister Medor und seinem Gormit, oder wollt ihr König Arthur und die Schmetterlingselfe Mirella befreien?“

Antwort abwarten.

„Fein, ich bin der alte Einsiedler Emau. Hört her, König Arthur habe ich gefunden, er sitzt zu Stein verwandelt auf seinem Thron und blickt ins Tal. Irgendwo dahinten. Aber ich bin noch immer auf der Suche nach meiner Schmetterlingselfe Mirella. Ich bin alt und meine Augen sind schlecht geworden. Folgt meinen Lichtern, sie führen euch ans Ziel.“

Auf weitere Fragen nur antworten: „Ihr müsst es selbst herausfinden, ich bin schon alt und habe aufgehört die Jahre zu zählen.“

 

Dann stoßen die Kinder auf den Zauberer Imiidor.

„Hallo Kinder, ich habe euch kommen sehen. Ihr wollt König Arthur und die Elfe Mirella befreien. Ich kann euch helfen. Findet zuerst den Zauberstab der Elfen. Er ging hier im Wald verloren. Dann folgt den Lichtern zu Mirella, sie liegt in einer kleinen Schatulle auf einem Ruhekissen. Aber nehmt euch vor den Dienern des Hexenmeisters in acht. Ich habe sie im Wald gesehen.“

 

Dann finden die Kinder den Zauberstab.

 

Später stoßen die Kinder auf die Elfen ohne Flügel. Sie tanzen abseits des Weges durch die Wiesen und sprechen dabei im Reim:

„Wir singen und tanzen und tanzen und singen,
und heben ganz leise die goldenen Schwingen
und tanzen und singen und schwingen hinfort
und meiden im Reigen den menschlichen Ort.“

Dann nehmen sie die Kinder wahr, halten an und fragen.
„Ihr seid Menschenkinder. Nehmt euch in Acht. Der Hexenmeister Medor lauert mit seinem Gormit im Wald. Meidet sie. Wir können euch nur diese Amulette schenken. Hängt sie euch um den Hals, sie werden euch vor Medor schützen.“

 

Zuletzt stoßen die Kinder auf die Schatulle. Dort können sie sich zunächst umsehen. Doch dann kommt sollen sie Imiidor rufen. Dieser kommt dann aus dem Gebüsch und stellt sich vor die Schatulle und spricht dann zu den Kindern: „Ich danke euch, ihr müsst mutig sein, dass ihr es bis hierher geschafft habt. Jetzt kann ich endlich die Elfe Mirella und König Arthur befreien, dann will ich den Hexenmeister Medor für immer verbannen.“ Dann befreit er die Elfe, die wird dabei kurz sichtbar und läuft langsam in den Wald. Anschließend kommt Medor auf Imiidor zu, sie liefern sich einen Kampf und Medor verschwindet.